07 Apr

Mitgliederversammlung und Ostergruß 2017

 

Liebe Mitglieder im Verein Historisches Wevelinghoven e.V.,

die Mitgliederversammlung am 29. März 2017 im Weinzimmer der Erftruhe ist abgewickelt. Aktivitäten und Berichte sowie Planungen für 2018 und folgende Zeit fanden nach Erörterung die Zustimmung der Anwesenden.

In den geschäftsführenden Vorstand für die folgende Amtszeit bis 2020 wurden jeweils einstimmig Theo Hoer Bm.a.D. als Vorsitzender, Nikolai Dohlen als 2. Vorsitzender, Armin Mohren als Geschäftsführer und Magda Hoer als Kassiererin gewählt.

Der Frage, ob die Motte im Zubend ein Geheimnis birgt, ging Theo Hoer in einem mit Plänen, Skizzen, Karten und Fotografien ergänzten Vortrag nach. Dabei nahm er sich die Freiheit, bis zum Beweis des Gegenteils davon auszugehen, daß es sich bei dem Erdhügel an der Erft im Zubend von Wevelinghoven tatsächlich um eine mittelalterliche Anlage aus der Zeit handelt, in der solche „Motte“ genannten Wohn- und Wehranlagen in Europa entstanden sind. Eine nähere Untersuchung von Motte und der im Gelände sich abzeichnenden Vorburg sollte für die nächsten Jahre auf der Langzeittagesordnung stehen.

„Über die Fluren“ ging es vor der Jahreshauptversammlung per Bus zum Modell des Castrum Novaesium in Neuss und zu zwei spannenden Stunden mit Heinz Birkenheuer.

Rechtzeitig zu Ostern kommt Pastorat 10, wieder mit interessanten Themen zu Wevelinghoven. Leider kann eine Verteilung „von Hand“ nicht erfolgen, daher dürfen wir Sie auf einige Stellen aufmerksam machen, wo Pastorat 10 in den nächsten Tagen ausgelegt wird: Sparkassen und Banken, Kirche St. Martinus und St. Martinus-Stift, Deuss, Bolz, Mattheisen, Genussfaktur. Viel Spaß beim Lesen!

Gefreut haben wir uns, daß als neue Mitglieder Beate und Karl Broich sowie Petra und Georg Staniek zu uns gestoßen sind. Herzlich willkommen!

Allen, auch denen, die wir nicht per Mail oder über diese Seite erreichen, wünschen wir auf diesem Wege ein duftiges Frühjahr und ein Frohes Osterfest.

Theo Hoer mit
Nikolai Dohlen, Armin Mohren, Magda Hoer.

 

07 Apr

Über die Fluren – Castrum Novaesium – März 2017

 

Beeindruckend ist die Inszenierung des Untergegangenen in einem Architekturmodell beachtlichen Ausmaßes. Viel zu schnell vergeht die Zeit mit Heinz Birkenheuer am 29. März 2017 an seiner Rekonstruktion der zweiten Steinbauphase des Neusser Legionslagers. Erfreulich das Interesse der Mitglieder, 23 Damen und Herren sind dabei, der Ausstellungsraum ist ausgelastet.

Heinz Birkenheuer erzählt Alltag am Rhein vor 2.000 Jahren. Wir machen uns mit den römischen Truppen auf den Weg von Trier durch die Eifel an den Niederrhein, befinden uns mit den Legionären im Dreischichtbetrieb bei „Feindeinwirkung“, legen systematisch in streng geordneter und geübter Weise Lager für die Nacht und auch für längere Zeit an.

Immer im Auge haben wir die verschiedenen Modelle der um die Zeitenwende hier am Rhein errichteten, umgebauten, abgebauten, zerstörten und wieder aufgebauten Lager mit unterschiedlichen Funktionen.

Das Reiterlager, das erste römische Feldlager, das während des Bataveraufstandes (69 n. Chr.) zerstörte und von der aus Spanien herbeigeführten VI. Legion wieder aufgebaute Legionslager.

600 mal 450 Meter und somit 27 Hektar groß beherbergte der Standort etwa 7.500 Menschen im eigentlichen Legionslager und mit allen Hilfstruppen in Lagervorstadt und umliegender Landwirtschaft zusammen wohl an die 10.000.

Dieses Neusser Legionslager der ersten und zweiten Steinbauphase wird von 1886 bis 1900 durch entsprechende Grabungen unter Leitung des Archäologen Dr. Constantin Koenen in einer bisher in Europa nicht erfolgten Vollständigkeit dokumentiert.

 

Grundriss des Legionslagers Novaesium – Grabungsbefunde des „Koenenlagers“ (1887-1900) – Bildquelle: Wikipedia.

 

50.000 Kubikmeter Erde bewegt das Grabungsteam von Hand in 14 Jahren.

Das heute vollständig überbaute Grabungsgelände wird dabei so genau dokumentiert, daß ein Architekturmodell im Maßstab 1:200 in jahrelanger Arbeit hergestellt werden kann.

Heinz Birkenheuer beginnt damit 1986.

Und genau so spannend wie seine Erzählungen zum Lagerleben und Lagerbau ist auch die Geschichte zur Entstehung und Entwicklung des Architekturmodells, an dem er in den letzten Jahren gemeinsam mit dem kürzlich verstorbenen Lothar Kirchmeyer gearbeitet hat und nun wieder alleine weiterarbeitet.

Wir erfahren dazu erst mehr, nachdem wir durch die Porta Praetoria zur Principia an der Via Principalis, zum Praetorium, zur Lagertherme, zu den Wohnbereichen der Tribunen und des Praefectus Castorium, den Reiterkasernen und den Kasernen der römischen Fusstruppen und noch viel mehr gegangen sind und neugierig nach der Entstehung und auch der Zukunft der Modelle des Castrum Novaesium fragen.

Das nach seinem Erforscher benannte sogenannte Koenen-Lager ist dem Auge des Betrachters verborgen, das Modell erweckt Verschwundenes zum Leben, macht es richtig spannend, Geschichte in unserer Heimat zu begegnen. 2002 war das Modell im Museum Villa Erckens in Grevenbroich. Museumsleiter Dr. Bodo Schwalm entwickelte damals die heutige Darstellungsform mit dem Grundriß von Constantin Koenen unter den auf Accrylglassäulen aufgeständerten detailgetreuen Modellen von Heinz Birkenheuer.

Unser Dank an Heinz Birkenheuer ist nicht der Höflichkeit geschuldet sondern kommt aus vollem Herzen.

Unter www.castrum-novaesium.de und www.roemische-garnison-novaesium.de  nachzuschauen dürfte sich lohnen.

Theo Hoer Bm. a.D.
Vorsitzender