23 Okt

Auf den Spuren… 2017 nach Pulheim-Brauweiler

 

Exkursion am Samstag, den 7. Oktober 2017 zur
Abtei Brauweiler und zur „Gedenkstätte“

Zwanzig Meter über der Mittelterrasse in der Rheinischen Bucht grüßt der romanische Monumentalbau St. Nikolaus und St. Medardus in Brauweiler. Hofgut der Pfalzgrafen von Lothringen ist schon vor der Klostergründung dieser besondere Platz.

Vor 1000 Jahren begegnen wir hier Ezzo-Ehrenfried-, Pfalzgraf von Lothringen, seiner Gemahlin Mathilda, deren Kindern Richezza, später Königin von Polen und Hermann II, später Erzbischof von Köln und Kanzler des Kaisers sowie dem Reformabt Poppo von Stablo (Stavelot)-Malmedy und St. Maximin in Trier.

Am 7. Oktober 2017 kommt der Verein Historisches Wevelinghoven auf seiner Exkursion „Auf den Spuren…“ auch hierher. Eigentlich eine Halbtagesfahrt, verdichten sich die Führungen durch Abtei und Kirche sowie durch die Gedenkstätte letztlich zu einer Fülle von Eindrücken und Informationen, so dass die abschließende Einkehr auf dem Millianshof in Rheidt an der B 477 zu einer hochwillkommenen Verschnaufpause wird.

Zur Erinnerung hier noch einmal im Schnelldurchgang:

Pfalzgraf Ezzo bringt das Hofgut Brauweiler 991 bei der Hochzeit mit Mathilda, Tochter von Kaiser Otto II und der Byzantinerin Theophanu, seiner Frau als „Morgengabe“.

Zur Ausstattung eines fürstlichen Hauses gehört damals der Vollzug einer geistlichen Stiftung. Dem folgend gründet das Ehepaar 1024 die Abtei Brauweiler. Die Beteiligung des berühmten Reformabtes Poppo von Stablo-Malmedy sollte ein nach der von Cluny in Burgund ausgegangenen Klosterreform mustergültiges Klosterleben gewährleisten.

Allerdings darf man annehmen, dass die Wahl des Klosterstandortes wohl auch strategische Bedeutung als Abgrenzung zum Herrschaftsbereich der Erzbischöfe von Köln hatte. Zwar ist man mit diesen -siehe Hermann II- auch schon mal verwandt, aber der Erzbischof ist auch Landesherr in seinem Gebiet mit bekanntlich fortdauernden Expansionsgelüsten und somit muss der Pfalzgraf von Lothringen auch seine Rolle als Landesherr in Sichtweite von Köln in seine Entscheidungen einbringen.

Das, finde ich, illustriert folgende Geschichte ganz gut:

Königin Richezza kommt 1036 nach dem Tod ihres Gatten, des polnischen Königs Miezko II in ihre Heimat zurück. Sie gelobt nach dem Tod ihres Bruders, Herzog Otto von Schwaben, 1047 den Bau einer neuen und prächtigen Klosterkirche als Grabkirche für ihre Familie und für sich selbst. Dem Kloster überschreibt sie zur wirtschaftlichen Nutzung das Reichsgut Klotten an der Mosel.

Die Krypta, baugleich mit der von St. Maria im Kapitol in Köln, wird 1051 von Bischof Robert von Münster konsekriert, dieser tut dies in Vertretung von Richezzas Bruder Erzbischof Hermann II von Köln.

1061 konsekriert Erzbischof Anno II von Köln gemeinsam mit Bischof Egilbert von Minden offensichtlich Teile der Oberkirche im Beisein der Stifterin. Richezza stirbt 1063 in Saalfeld. Entgegen ihrem verbrieften Wunsch wird Richezza auf Geheiß Erzbischof Anno II nicht in Brauweiler sondern in seiner eigenen Stiftung St. Maria ad Gradus in Köln beigesetzt.

Die Einnahmen aus dem Reichsgut Klotten stehen nach Meinung des Erzbischofs somit nicht mehr Brauweiler sondern seiner Stiftung zu. Erst nach langjährigem Rechtsstreit kann Abt Wolfhelm das Moselgut Klotten zurückholen. Richezza ruht heute im Kölner Dom.

Fast 800 Jahre lang ist die Abtei Brauweiler ein bedeutsamer Ort geistigen Schaffens aber auch des Ordnens, Kultivierens und Bewirtschaftens eines ansehnlichen Gebietes sowie zeitweise umfangreichen Besitzes anderenorts.

Eine besondere Überraschung erleben wir im nördlichen Seitenschiff der ehemaligen Abteikirche St. Nikolaus. In einem vom Dansweiler Künstler Franz Pauli entworfenen Fenster mit der alttestamentarischen Geschichte von „Daniel in der Löwengrube“ trägt Daniel unverkennbar die Gesichtszüge von Konrad Adenauer und in dem Fensterbogen über ihm ist Adolf Hitler zu erkennen, an der Stelle, an der man gemäß Bibel den König Darius erwarten würde.

Zwei Monate lang – von September bis November 1944 – waren Kölns früherer Oberbürgermeister und seine Frau Auguste-Gussie-Adenauer in dem damaligen Gefängnis der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) inhaftiert.

Gemeinsam mit Jakob Dahmen, einem ehemaligen Wärter der Arbeitsanstalt Brauweiler, stiftete Adenauer diese Fenster nach dem Entwurf von Franz Pauli Anfang der sechziger Jahre. Ein letzter Eindruck von Abtei und Kirche in einem Kirchenfenster verbindet mit dem nun folgenden Besuch der

 

GEDENKSTÄTTE BRAUWEILER

Im Zuge der französischen Besetzung erfolgte 1802 mit der Säkularisierung die Aufhebung des Klosters Brauweiler. Die Abteikirche kann vor dem Abbruch gerettet werden und wird katholische Pfarrkirche. Die Abteigebäude werden nach einem napoleonischen Gesetz ab 1811 als „Bettlerdepot“ und ab 1815 durch die preußische Regierung als Arbeitsanstalt genutzt.

1920 werden „Bewahrungshaus“ und „Zellengebäude“ an die Kölner Justizverwaltung vermietet, 1933 dienen die Gebäude 12 Monate als Konzentrationslager, später als Gefängnis der Kölner Gestapo. Diese letztgenannte Zeit ist dokumentiert in der Gedenkstätte Brauweiler.

Hermann Daners und Josef Wißkirchen haben Dokumente dazu zusammengetragen und informieren neben schriftlichen Veröffentlichungen in einer 2008 eröffneten Dauerausstellung über Geschehnisse von 1933-1945. Der Ausstellungsort im Kellergeschoß des sogenannten „Frauenhauses“ der ehemaligen Arbeitsanstalt Brauweiler ist nun eine Gedenkstätte. Zwei Zellenräume sind weitgehend im Originalzustand erhalten und bilden heute den Kern der Ausstellung.

Wir erleben einen spannenden und bedrückenden Rückblick in die jüngere Geschichte unserer Heimat mit Josef Wißkirchen, einigen noch bekannt als Studiendirektor unseres Erasmus-Gymnasiums. Er geht auch auf das Schicksal der Familie Balzer aus Köln ein.

Eine Karteikarte von Balzer, Maria, geb Behrens, geb. 13.11.1899 in Wevelinghoven hatte übrigens auch dazu geführt, Brauweiler unter unserem bisherigen Excursionsmotto „Auf den Spuren…“ zu besuchen.

Maria Behrens war verheiratet mit dem angesehenen Lebensmittelhändler Hans Balzer aus Ehrenfeld. Deren Sohn Hans Josef Balzer, geb. 29.01.1928, war bereits als Jugendlicher straffällig geworden und wurde am 8.Oktober 1944 von der Gestapo auf der Flucht erschossen. Am selben Tag nahm die Gestapo die Eltern Josef und Maria Balzer und die zwanzigjährige Tochter in Haft, der vierjährige Sohn kam ins Köln-Sülzer Waisenhaus.

Josef Balzer starb nach dem 11. Dezember 1944 wegen einer unbehandelten Wundrose im Augusta-Hospital in Köln Sülz. Anfang Februar 1945 sollten Maria Balzer und ihre Tochter in ein Konzentrationslager eingewiesen werden. Dazu kam es nicht mehr, am 15. Februar 1945 verließ die Gestapo Brauweiler, so kamen Mutter und Tochter frei.

Auf der Webseite der Abtei Brauweiler gelangt man zu umfangreichen Informationen und zu einem von Daners und Wißkirchen erarbeiteten „Gedenkbuch“, in welchem auch den Einzelschicksalen nachgegangen wird.

1945-1949 befindet sich in der Abtei ein offenes Lager der britischen Armee, 1954 wird die Abtei im Landschaftsverband Rheinland (LVR) in die kommunale Verwaltung übernommen und zwischen 1954 und 1978 werden hier psychisch kranke, alkohol- und drogenabhängige Menschen behandelt.

Der Name der bekannten Abtei verliert sich durch die Folgenutzungen letztlich negativ besetzt fast im Irrealen. Willy Millowitschs Empfehlung „Ab nach Brauweiler“ sorgt im Lustspiel „Der Etappenhase“ beim Publikum der 60er Jahre noch für ausgelassenes Gelächter. Heute wird die Nutzung durch den Landschaftsverband Rheinland der historischen und aktuellen Bedeutung des Ortes gerecht.

Text: Theo Hoer

 

11 Sep

Exkursion am 7. Oktober in die Abtei Brauweiler

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder und Interessenten,

wie angekündigt besuchen wir am Samstag, den 7. Oktober 2017 die Abtei Brauweiler. Hier die Details zum Ablauf:

11:15 Uhr:  Abfahrt ab Wevelinghoven Marktplatz – Seite Oststraße
12:00 Uhr: 
Führung durch die Kirche und die Abtei mit Herrn Dieker
13:45 Uhr:
  Führung durch die Gedenkstätte mit Studiendirektor i.R. Josef Wißkirchen, ehemals Erasmus-Gymnasium
Zum Abschuß Austausch und Erholung bei Kaffee und Kuchen (eigene Rechnung).
17:00 Uhr:  Ankunft Wevelinghoven Marktplatz

Übrigens sind im Bus noch einige Plätze frei. Der Teilnehmerpreis für Fahrt, Führungen, Eintritt und Tips beträgt € 20,- für Mitglieder unseres Vereins, Gäste zahlen € 22,-.

Kurzentschlossene melden sich bitte durch Überweisung des entsprechenden Betrages unter Betreff „Exkursion Brauweiler“ auf das Konto unseres Vereins mit der IBAN DE82 3055 0000 0093 1369 01 oder auch fernmündlich unter 02181 74202 Theo und Magda Hoer.

Umfangreiche Informationen über diesen geschichtsträchtigen Ort und den Zusammenhang mit unserem Programm „Auf den Spuren“ hatten wir bereits in unserem letzten Weihnachtsgruss hier veröffentlicht.

Mit herzlichen Grüßen
Theo Hoer Bm. a. D.
Vorsitzender

 

25 Aug

Besichtigung des Epanchoirs in Neuss am 15. Sept. 2017

Der Kreisheimatbund Neuss lädt seine Mitglieder – und damit sind natürlich auch die Mitglieder des Historischen Wevelinghoven e.V. gemeint – herzlich ein zur

Besichtigung des Epanchoirs in Neuss.
Führung mit Klaus Karl Kaster, Freunde und Förderer des historischen Nordkanals in Neuss e.V.

am Freitag, den 15. September 2017, ab 17.00 Uhr.

Das 1809 auf Befehl von Kaiser Napoleon gebaute Wasserkreuzungsbauwerk an der Schnittstellte von Obererft und Nordkanal wurde in den letzten Jahren aufwändig wiederhergestellt und ist jetzt als markantes Element im Neusser Stadtbild neu erlebbar.

Treffpunkt: Nordkanalallee vor dem Haupteingang der St. Alexius-/St. Josefklinik in 41460 Neuss.

Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben.

Zum Einlesen empfehlen wir die Webseite des Fördervereins (www.epanchoir.de) und die von der Stadt Neuss herausgegebene und interessante Broschüre (hier als PDF abrufbar).

(Fotonachweis: Käthe und Bernd Limburg, www.limburg-bernd.de,
Lizenz: Creative Commons BY-SA-3.0 de, CC BY-SA 3.0 de).

 

29 Jun

Exkursion des Kreisheimatbundes am 15. Juli 2017

Bildquelle: Wikipedia.

Der Kreisheimatbund Neuss lädt seine Mitglieder – und damit sind natürlich auch die Mitglieder des Historischen Wevelinghoven e.V. gemeint – herzlich ein zur

Bus-Exkursion zum ehemaligen Zisterzienserkloster Heisterbach
und zur Ausstellung „Die Zisterzienser. Das Europa der Klöster“
im LVR-Landesmuseum Bonn

am Samstag, 15. Juli 2017, 9.00 Uhr bis ca. 17.30 Uhr.

Abfahrten des Busses:
9.00 Uhr Parkplatz an der Eissporthalle am Südpark, Jakob-Koch-Straße 1, Neuss
9.30 Uhr Parkplatz am Friedhof, Matthias-Giesen-Straße, Dormagen

Der Zisterzienserorden war im hohen Mittelalter in kultureller, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht einer der mächtigsten Verbände der Christenheit. Wir besichtigen zunächst die Ruine des ehemaligen Zisterzienserklosters Heisterbach sowie die sie umgebende „Klosterlandschaft“ und werden nach einem Mittagsimbiss im Museumsrestaurant (13.00 Uhr) durch die Ausstellung im Bonner Landesmuseum (14.00 Uhr) geführt.

Mit über 200 kostbaren Ausstellungsobjekten aus ganz Europa erzählt sie die mittelalterliche Erfolgsgeschichte dieses außergewöhnlichen Ordens. Die Ausstellung zeigt nicht nur die Lebenswelt der Mönche und Nonnen, sondern auch das nicht immer einfache Verhältnis zu ihrer Umwelt und zu den weltlichen Herrschern.

Die Exkursion wird fachlich begleitet von unserem Beiratsmitglied Georg Mölich, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte.

Die Teilnahmegebühr beträgt 20,- Euro pro Person. Sie umfasst die Busfahrt sowie die Kosten für Eintritte und Führungen. Der Betrag wird im Bus bar eingesammelt.

Für das Mittagessen wird im Bus eine Speisekarte umgehen, aus der individuell bestellt werden kann. Die Kosten für das Mittagessen sind in der Teilnahmegebühr nicht enthalten.

Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 25 Personen. Die Geschäftsstelle des Kreisheimatbundes bittet um eine verbindliche Anmeldung bis zum 7. Juli 2017 per Mail, Telefon oder Fax (siehe unten). Geben Sie dabei bitte Ihre Telefonnummer bzw. Ihre E-Mail-Adresse an, damit Sie frühzeitig informiert werden können, falls die Fahrt wider Erwarten nicht stattfinden kann.

Mit freundlichen Grüssen
Der Vorstand
Kreisheimatbund Neuss e.V.
Geschäftsstelle: Schlossstr. 1, 41541 Dormagen-Zons
Telefon: 02133/530210
Fax: 02133/5302291
E-Mail: kreisarchiv@rhein-kreis-neuss.de

 

07 Apr

Über die Fluren – Castrum Novaesium – März 2017

 

Beeindruckend ist die Inszenierung des Untergegangenen in einem Architekturmodell beachtlichen Ausmaßes. Viel zu schnell vergeht die Zeit mit Heinz Birkenheuer am 29. März 2017 an seiner Rekonstruktion der zweiten Steinbauphase des Neusser Legionslagers. Erfreulich das Interesse der Mitglieder, 23 Damen und Herren sind dabei, der Ausstellungsraum ist ausgelastet.

Heinz Birkenheuer erzählt Alltag am Rhein vor 2.000 Jahren. Wir machen uns mit den römischen Truppen auf den Weg von Trier durch die Eifel an den Niederrhein, befinden uns mit den Legionären im Dreischichtbetrieb bei „Feindeinwirkung“, legen systematisch in streng geordneter und geübter Weise Lager für die Nacht und auch für längere Zeit an.

Immer im Auge haben wir die verschiedenen Modelle der um die Zeitenwende hier am Rhein errichteten, umgebauten, abgebauten, zerstörten und wieder aufgebauten Lager mit unterschiedlichen Funktionen.

Das Reiterlager, das erste römische Feldlager, das während des Bataveraufstandes (69 n. Chr.) zerstörte und von der aus Spanien herbeigeführten VI. Legion wieder aufgebaute Legionslager.

600 mal 450 Meter und somit 27 Hektar groß beherbergte der Standort etwa 7.500 Menschen im eigentlichen Legionslager und mit allen Hilfstruppen in Lagervorstadt und umliegender Landwirtschaft zusammen wohl an die 10.000.

Dieses Neusser Legionslager der ersten und zweiten Steinbauphase wird von 1886 bis 1900 durch entsprechende Grabungen unter Leitung des Archäologen Dr. Constantin Koenen in einer bisher in Europa nicht erfolgten Vollständigkeit dokumentiert.

 

Grundriss des Legionslagers Novaesium – Grabungsbefunde des „Koenenlagers“ (1887-1900) – Bildquelle: Wikipedia.

 

50.000 Kubikmeter Erde bewegt das Grabungsteam von Hand in 14 Jahren.

Das heute vollständig überbaute Grabungsgelände wird dabei so genau dokumentiert, daß ein Architekturmodell im Maßstab 1:200 in jahrelanger Arbeit hergestellt werden kann.

Heinz Birkenheuer beginnt damit 1986.

Und genau so spannend wie seine Erzählungen zum Lagerleben und Lagerbau ist auch die Geschichte zur Entstehung und Entwicklung des Architekturmodells, an dem er in den letzten Jahren gemeinsam mit dem kürzlich verstorbenen Lothar Kirchmeyer gearbeitet hat und nun wieder alleine weiterarbeitet.

Wir erfahren dazu erst mehr, nachdem wir durch die Porta Praetoria zur Principia an der Via Principalis, zum Praetorium, zur Lagertherme, zu den Wohnbereichen der Tribunen und des Praefectus Castorium, den Reiterkasernen und den Kasernen der römischen Fusstruppen und noch viel mehr gegangen sind und neugierig nach der Entstehung und auch der Zukunft der Modelle des Castrum Novaesium fragen.

Das nach seinem Erforscher benannte sogenannte Koenen-Lager ist dem Auge des Betrachters verborgen, das Modell erweckt Verschwundenes zum Leben, macht es richtig spannend, Geschichte in unserer Heimat zu begegnen. 2002 war das Modell im Museum Villa Erckens in Grevenbroich. Museumsleiter Dr. Bodo Schwalm entwickelte damals die heutige Darstellungsform mit dem Grundriß von Constantin Koenen unter den auf Accrylglassäulen aufgeständerten detailgetreuen Modellen von Heinz Birkenheuer.

Unser Dank an Heinz Birkenheuer ist nicht der Höflichkeit geschuldet sondern kommt aus vollem Herzen.

Unter www.castrum-novaesium.de und www.roemische-garnison-novaesium.de  nachzuschauen dürfte sich lohnen.

Theo Hoer Bm. a.D.
Vorsitzender

 

11 Dez

Weihnachtsgruss und Termine 2017

Liebe Mitglieder und Freunde unseres Vereins,

für den Terminkalender 2017 hier schon heute die vorbereiteten Termine:

„Über die Fluren“ am Mittwoch, den 29. März 2017
Castrum Novaesium – Das Neusser Legionslager in der zweiten Steinbauphase 80 bis 103 n.Chr.

Das von der XVI. und VI. römischen Legion an der Erftmündung errichtete Lager mit einer Ausdehnung von 600 mal 450  Metern entsprechend einer Fläche von 27 Hektar beherbergte zeitweise mit allen Hilfstruppen bis zu 10.000 Mann.

Heinz Birkenheuer aus Wevelinghoven hat es mit Lothar Kirchmeyer auf der Grundlage der von Constantin Coenen 1877 entdeckten Anzeichen und der von 1886 bis 1900 unter seiner Leitung ausgeführten Grabungen maßstabgerecht rekonstruiert.

Heinz Birkenheuer entführt uns am 29. März über seine Modelle in die Zeit vor nahezu 2000 Jahren. Das war und ist ganz nah bei uns, und die Römerstrasse in Wevelinghoven weist uns auf kurzem Weg zur Erftmündung und zum heutigen Grimlinghausen.

17:15 Uhr Busabfahrt Marktplatz Seite Oststraße
18:00 Uhr Neuss-Humboldtstrasse 2, Tagungshotel der Deutschen Telekom

Um 20:00 Uhr sind wir zurück in Wevelinghoven zur

Jahreshauptversammlung 2017.

Die Einladung und Tagesordnung folgen.

„Auf den Spuren“ am Samstag, den 07. Oktober 2017

„Josef Balzer, Maria, geb.Behrens, geb. 13.11.1899 in Wevelinghoven“ – eine Karteikarte, ein Schicksal begegnet uns in der Gedenkstätte in der ehemaligen Abtei Brauweiler.

Auch das kann „auf den Spuren“ bedeuten.

Die 1024 gegründete Benediktinerabei Brauweiler hatte eine bedeutsame Stellung in unserer Region und im Reich. Schon im 19. Jahrhundert nach Auflösung der Abtei Disziplinierungsanstalt für Bettler, Landstreicher, Prostituierte, entmündigte Alkoholiker, wird hier in nationalsozialistischer Zeit ein frühes „Konzentrationslager“ eingerichtet und werden im September 1944 zahlreiche Anstaltsinsassen in Vernichtungslager überstellt.

Konrad Adenauer ist hier mit seiner Frau Gussie im Herbst 1944 Häftling der Gestapo.

Mit Studiendirektor i.R. Josef Wißkirchen, ehemals Lehrer am Erasmus-Gymnasium in Grevenbroich, haben wir eine Führung um

12:00 Uhr in der Abteikirche St. Nikolaus und im Abteigebäude, und um
13:45 Uhr eine Führung durch die Gedenkstätte.
15:00 Uhr Zeit für Kaffee und Kuchen und Gespräche
17:00 Uhr Ankunft Wevelinghoven

Für Über die Fluren (Castrum Novaesium – Das Neusser Legionslager) und Auf den Spuren (Josef Balzer, Maria, geb.Behrens, geb. 13.11.1899 in Wevelinghoven) jetzt schon melden unter 02181 74202 Theo und Magda Hoer oder info@historisches-wevelinghoven.de.

Bitte beachten Sie: die Teilnehmerzahl ist auf maximal 24 Personen begrenzt!

Wir wünschen Ihnen, liebe Mitglieder und ihren Familien, eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2017.

Herzlich grüßt Ihr Vorstand

Theo Hoer, Vorsitzender
Nikolai Dohlen, 2. Vorsitzender
Armin Mohren, Geschäftsführer
Magda Hoer, Kassiererin

11 Dez

Historisches Wevelinghoven e.V. 2016 im Rückblick

ERINNERN-MARKIEREN-VERNETZEN…

bleibt auch in der Rückschau auf das zu Ende gehende Jahr Impuls unserer Aktivitäten. Die ohne Zweifel bedeutsamste Nachricht erreichte uns mit Pastorat 09. Die Rettung des zusehends verfallenden Alten Pastorates, 2005 am Osterfeuer noch ein Traum, ist nun Realität.

Die aktuelle Ausgabe der Schriftenreihe PASTORAT, die wir seit Beginn begleiten und unterstützen, teilt uns in Text und Bild mit: Der Erhalt des Alten Pastorats ist gesichert, es wird Bestandteil des neuen Pfarrzentrums der Katholischen Kirchengemeinde St. Martinus.

Der Traum am Osterfeuer 2005 hat seinerzeit umgehend zur Gründung des Vereins Historisches Wevelinghoven e.V. geführt. Mit seinen Aktivitäten das Augenmerk der Öffentlichkeit und dann auch der Entscheider auf den historischen Schatz an der Erft in Wevelinghoven gelenkt zu haben, darf der Verein Historisches Wevelinghoven in aller Bescheidenheit für sich in Anspruch nehmen.

Als „Geschenk der Geschichte“ bezeichnet Dipl.-Ing. Architekt Klaus Knevels in seinem Beitrag „Erzwungene Ökumene“ in Pastorat 09 respektvoll und begeistert das alte Haus und begrüßt die Entscheidung der Kirchengemeinde, „dieses Haus . . ., als Teil des neuen Pfarrzentrums zu erhalten und zu revitalisieren“.

Dem schließen wir uns ohne Einschränkung an. Wir freuen uns mit der Katholischen Pfarrgemeinde St. Martinus und für Wevelinghoven, wenn hier an der Unterstrasse eine weitere für alle offene Einrichtung entsteht, wie wir sie mit dem Pastor-Dehnert-Haus der Evangelischen Kirchengemeinde am Hemmerdener Weg nun seit Jahren kennen.

 

ERINNERN… vor 4 Jahren

1653 – diese Jahreszahl findet man auf dem Schlussstein in einem gut erhaltenen Kaminsims im Alten Pastorat in Wevelinghoven. Das erstaunlich große Gebäude, bereits seit über 150 Jahre nicht mehr als Pastorat genutzt, ist erst in den letzten Jahren wieder in das Blickfeld gekommen. Jahrzehntelang ohne besondere Nutzung, versteckt hinter einer großen Mauer an der Unterstraße, war der bauliche Verfall fast Programm.

Dies zu verhindern war die Absicht von jungen Leuten, die in einer Osternacht am Feuer im Pfarrgarten den Plan schmiedeten, zu diesem Zweck einen Verein zu gründen. Das wurde 2005 mit der Gründung des Vereins Historisches Wevelinghoven e.V. in die Tat umgesetzt.

Mit der Teilnahme an Tagen des Offenen Denkmals, Ständen auf dem Maimarkt, Vorträgen und Veröffentlichungen konnte als erstes Teilziel die Aufmerksamkeit zunächst der Wevelinghovener erzeugt werden.

Heute zeichnet sich mit der geplanten Errichtung eines neuen Pfarrzentrums der Kirchengemeinde St. Martinus in Wevelinghoven bereits eine Nutzungsmöglichkeit ab, die die entstehenden Kosten vertretbar erscheinen lässt. Erste konkrete bauliche Sicherungsmaßnahmen im Bereich der Fundamente, der tragenden Wände und des Dachstuhls wurden nach umfangreichen Untersuchungen durchgeführt.

Das Haus ist wieder begehbar und am Tag des Offenen Denkmals im September 2012 konnte Architekt Klaus Knevels eine große und sehr interessierte Besuchergruppe durch alle Räume bis auf den Dachstuhl führen. Das ist ein großer Schritt nach vorne.

Noch im Sommer 2011 schloss Vereinsvorsitzender Bürgermeister a. D. Theo Hoer Überlegungen zur Jahreszahl 1653 und zur Frage, wer denn nun eigentlich das Alte Pastorat errichtet hat mit der Feststellung:

„Eine gemeinsame Baumaßnahme (Protestanten und Catholiken) während Zeiten simultaner Nutzung darf in relativ gesicherter Kenntnis der Beziehungen der Konfessionen zur damaligen Zeit als unmöglich angenommen werden. Die Kernaufgabe ist jedoch nicht, den oder die Erbauer zu finden, sonder das vor mehr als 350 Jahren errichtete Baudenkmal zu sichern und vor dem Untergang zu bewahren.“

Die aktuelle Entwicklung ist ein Glücksfall, vielleicht sogar mehr als das und ist für Wevelinghoven auch ein ökumenischer Auftrag.

 

MARKIEREN… Wie ist das Schloß verschwunden?

Ein überwachsener und baumbestandener unregelmäßiger Hügel auf der heutigen Insel im Stadtpark zu Wevelinghoven ist ganz unaufgeregt und schlicht mit der Bezeichnung „Wüstung“ als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Grevenbroich eingetragen. Dafür, daß wir hier keine natürliche Erhebung vor uns haben, liegen uns etliche Dokumente aus der Geschichte vor.

Die ganz große Überraschung jedoch ist das Gemälde „Schloß Wevelinghoven“, welches wir auf den Spuren am 3. September auf Schloß Hohenlimburg entdeckten. Der eine oder andere Mitreisende wollte kaum glauben, daß solch ein offensichtlich recht ansehnliches und umfangreiches Gebäude hier in Wevelinghoven gestanden haben soll und erste Interpretationsversuche machten die Runde.

Nun ist es so, daß auf Schloß Hohenlimburg neben dem Gemälde von Schloß Wevelinghoven auch Gemälde von anderen Schlössern der Grafen von Bentheim zu sehen sind und diese historischen Anlagen wie Schloß Rheda oder Hohenlimburg fast 1 zu 1 noch existieren. Ein Vergleich zwischen Gemälden und Wirklichkeit gibt keine Hinweise auf Übertreibungen oder besondere Überhöhungen oder darstellerische Tricks. Warum sollte der Maler oder die Werkstatt da bei Wevelinghoven eine Ausnahme gemacht haben? Auch die uns bekannten Grundrisse aus früheren Zeiten lassen durchaus den Schluß auf eine bemerkenswerte Anlage zu.

„Schloß Wevelinghoven“ dürfte als Bezeichnung erst zur Zeit der Regentschaft der Grafen von Bentheim für das vorher als „Lievendahl“ bekannte Anwesen aufgekommen sein. Wir wollen doch ein wenig mehr wissen und meinen, das verschwundene Schloß und seine Geschichte sind es wert, näher untersucht zu werden.

1670 bis 1685 trafen sich hier die Mitglieder der Reformierten Gemeinde Wevelinghoven zu ihren Gottesdiensten und Versammlungen. Der baulich schlechte Zustand wird übrigens damals nachdrücklich erwähnt mit der Bitte um Abhilfe an die Herren von Wevelinghoven, die Grafen von Bentheim.

In französischer Sprache abgefasst ist am 19. Dezember 1808 der Verkauf der „Burg“ Wevelinghoven seitens des Grafen Emil-Friedrich von Bentheim-Tecklenburg an Gerhard Koch, Kaufhändler zu Wevelinghoven. Warum dieser oder seine Nachfolger die Gebäude westlich der Erft im Laufe der Zeit aufgaben und verfallen ließen, ist nicht mehr in den Bentheimer Archiven nachzulesen, dazu werden wir andere Quellen suchen müssen.

Unser Weg führt nun zum Rhein-Kreis Neuss Archiv mit den entsprechenden Fragestellungen. Ein erster Termin dazu ist noch im Dezember verabredet.

Im Findbuch zu den Forschungen zur Geschichte unserer Region in Westfälischen Adelsarchiven begegnen uns etliche Hinweise auf Burg/Schloß Lievendahl, später Wevelinghoven. Ein Inventarverzeichnis, Rechnungen zu Bauarbeiten, Beauftragung eines Baumeisters Pasqualini, Pacht-und Kaufverträge und noch vieles mehr müssen zugeordnet und interpretiert werden.

Sicher Informationen genug, fachmännischen Rat und Begleitung zu unseren Bemühungen einzuholen.

 

VERNETZEN… im St.-Martinus-Stift

Unseren Arbeitsimpuls „Vernetzen“ konnten wir in diesem Jahr im St. Martinusstift umsetzen. Die erste Veranstaltung der 2016 folgenden Reihe „Klönen bei Kruchens“ haben wir als Verein 2015 im Rahmen eines Tages der offenen Tür im St. Martinusstift durchgeführt. Die Kapelle war Veranstaltungsort. Schon damals tauchte der Gedanke auf, solche Veranstaltungen den Bewohnern im Stift über das Hausnetz auf den Bildschirmen zugänglich zu machen…

Diesen Plan berichteten wir in der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 2016 den Mitgliedern. Nach Prüfung der technischen Machbarkeit und der zu erwartenden Kosten konnte die Finanzierung mit Hilfe einer Zuwendung der Sparkasse Neuss aus PS-Zweckertrag und einer weiteren auf das Ziel bezogenen Spende sichergestellt und der Auftrag erteilt werden.

Die technischen Einrichtungen für Aufnahmen beziehungsweise Übertragungen aus dem Bereich der Kapelle sind geschaffen und im November in Betrieb gegangen. In einem nächsten Schritt kann die Einbeziehung des Eingangsbereiches angegangen werden, um auch diesen mit dem Haus zu vernetzen.

Die Veranstaltungen „Klönen bei Kruchens“ im Jahr 2016 hatten guten Zulauf. Aus unserem Austellungsbesuch „bös teutsch-bös evangelisch“ ging am 12. Januar ein Abend mit dem Direktor des Museums Schloß Rheydt, Dr. Karl Heinz Wiegmann hervor und die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Dr. Barbara Schock-Werner entführte am 19. April in ihre Welt und Sicht derselben.

Zuletzt am 21. November waren 120 Besucher bei einem Abend „Klönen bei Kruchens“ mit Willibert Pauels.

Der 2016 zum erstenmal im Foyer des St. Martinus-Stiftes durchgeführte Empfang des Bürgerschützenvereins Wevelinghoven zum Ehrenabend ist es gewiß wert, den Bewohnern des Hauses auch via Bildschirm angeboten zu werden. Interessante lokale Ereignisse live zu übertragen, das wäre doch was.

Wir werden berichten.

Theo Hoer