01 Sep

Auf den Spuren 2018… Alfter und Augustusburg

Die Excursion 2018 „Auf den Spuren der Wevelinghovener“ hat nicht nur in die Geschichte geschaut, sondern auch Verbindungen in die Gegenwart erkennen lassen.

Nach der um 10:00 Uhr in Wevelinghoven gestarteten Anreise empfängt die Stellvertretende Bürgermeisterin von Alfter, Frau Luise Wiechert, wie verabredet um Punkt 11:00 Uhr die Reisegesellschaft des Vereins Historisches Wevelinghoven e.V. vor dem großen Tor zum Schloss Alfter.

Eine spannende Stunde folgt. Von der Vorburg über den Schlosshof zu den hohen und hellen Wohn- und Funktionsräumen und hinab in den Keller zu den Resten der ehemaligen Ritterburg Alfter hält Frau Wiechert mit Geschichte und Geschichten die Aufmerksamkeit hoch.

Die Räume ohne jegliche Möblierung in hellem Weiß beeindrucken auf besondere Weise und lassen der Phantasie und der Frage Raum, was man wohl selber mit einem solchen Schloss machen und wie man sich einrichten würde.

Der Blick aus den großen Fenstern des oberhalb des Ortes und der Region gelegenen Schlosses über das Rheintal und Bonn bis zum Siebengebirge lässt geradezu spüren, was sich die Erbauer dieses 1721 fertiggestellten „Hohen Hauses“ und wohl auch der vorherigen Ritterburg bei der Wahl des Standortes gedacht und erhofft haben.

Die Verbindung zwischen Wevelinghoven und Alfter und untergegangenen sowie heute noch existierenden Herren-, Grafen- und Fürstengeschlechtern ist hier nicht in Stein dokumentiert.

Aber die Ausführungen von Frau Wiechert und eine Festschrift des Vereins „Haus der Alfterer Geschichte“ geben Auskunft und selbst das Sonnenlicht und die angenehme Kühle des späten Vormittages lenken beim Blick aus den hohen Fenstern die Gedanken auf merkwürdige Weise aus dem Jetzt und dem Alltag.

Eine willkommene Pause und Einkehr in der empfehlenswerten Backmanufaktur „Café Nelles“ Am Herrenwingert lässt das Erlebte im Gespräch nachklingen und bereitet zugleich auf den Nachmittag vor.

Der ist ab 14:15 Uhr mehr als 2 Stunden ausgefüllt mit einer großen Führung im Schloss Augustusburg in Brühl. Warum nach Alfter Schloss Augustusburg? Sicher, es liegt am Weg und man darf an einem solchen Weltkulturerbe nicht einfach vorbeifahren.

Theo Hoer formuliert andere Zusammenhänge: Beide Schlösser sind etwa zur gleichen Zeit, in der Zeit des Barock gebaut. Die Herren von Alfter, die Grafen von Salm Reifferscheid und Dyck sind Erbmarschall von Kurköln, wie es fast 300 Jahre vorher Wilhelm von Wevelinghoven ist. Seine Tochter Irmgard von Wevelinghoven, die Mutter war Ricarda von Alfter, ist Erbin von Alfter und bringt somit das Erbmarschallamt mit in die Ehe mit Johann dem VI und damit in die Familie Salm Reifferscheidt Dyck.

Außerdem ist der Vergleich zwischen dem Schloss des Kurfürsten und dem seines Erbmarschalles ein Hinweis auf den gebührenden Abstand zwischen diesen.

Die eindrucksvolle Führung im Schloss Augustusburg mit Frau Elana Stromberg, geht mit den Erläuterungen zum Bau und zur Gestaltung sowie Funktion einzelner Räume auch auf die politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und zivilisatorischen Gegebenheiten der Zeit ein.

Das ersetzt manche Geschichtsstunde und hellt Zusammenhänge und Begriffe auf.

Vom millionenschweren beziehungsweise teuren Sekretär sehen wir im nächsten Augenblick im Deckenfries Flohfallen für die Perücke und in einem prächtigen Speise Zimmer wird klar, was der Begriff „Augenschmaus“ bedeutet. Eine Balustrade, die man in der Form nur in diesem Raum im Schloss findet, ist vorgesehen für Gäste, die zuschauen aber nicht am Mahl teilnehmen dürfen. Also nur mit den Augen schmausen.

Sich losreißen von dem Anblick des großartigen Treppenhauses und dem herrlichen Garten fällt deshalb nicht so schwer, weil, wir erleben es auf der Rückfahrt, wir selbst mit einem Bus nur eine Dreiviertelstunde Fahrstrecke zwischen Wevelinghoven und Schloss Augustusburg feststellen. Einer Wiederholung, dann vielleicht mit einem Spaziergang durch den Park zum Jagdschloss Falkenlust steht nichts im Wege. Privat oder, wenn sich genügend Interessierte finden auch im Vereinsprogramm organisiert.

Text: Theo Hoer

 

Wevelinghoven und Alfter

Zwei Jahrhunderte sind der Rahmen unserer Exkursion 2018 Auf den Spuren der Wevelinghovener“.

Die Verbindung zwischen Wevelinghoven und Alfter sehen wir im 15. Jahrhundert wachsen, die Schlösser zeigen uns Bauweise- und im Schloss Augustusburg Ausstattung des Barock und frühen Rokoko im 18.Jahrhundert

Zunächst 600 Jahre zurück in das 15. Jahrhundert.

Wilhelm II, Sohn von Friedrich von Wevelinghoven und Irmgard von Broich, ist Herr von Wevelinghoven.

1418 heiratet er Maria (Ricardis), Erbin von Alfter, Tochter von Johann von Alfter und Maria von der Mark-Arenberg. Mit dem Haus und der Burg Alfter ist das Marschallamt von Kur-Köln verbunden und vererbbar.

Das Marschallamt ist ein hohes Hofamt an den landesherrlichen Höfen der Zeit, teils auch mit militärischen Aufgaben, teils mit traditionellen Rollen verbunden. Wenn es erblich ist, nennt sich der Amtsträger Erbmarschall.

Da Johann von Alfter und Maria von der Mark-Arenberg keine männlichen Nachkommen haben, erbt die Tochter Ricarda mit der Herrschaft Alfter auch das Erbmarschallamt des Hochstifts Köln.

Herrschaft Alfter und Erbmarschallamt bringt sie mit in die schon erwähnte Ehe mit Wilhelm II von Wevelinghoven, der fortan auch als Herr von Alfter und Erbmarschall firmiert.

Zu seinen Aufgaben und Privilegien schreibt Hauptlehrer Hermann Baumanns in seiner Chronik von Wevelinghoven:

Die Rechte des Erbmarschalls waren unter anderem,

  • das Pferd des Kaisers in Empfang zu nehmen, dass die neue Majestät ritt, wenn dieser in Aachen gekrönt wurde
  • beim Tod des Erzbischofs dessen Leibwagen und Gespann an sich zu nehmen (hat er nicht erlebt, Erzbischof Friedrich von Saarwerden starb 1414 und Wilhelms Erzbischof Dietrich II Graf von Moers 1463)
  • von sämtlichen Äbten und Äbtissinnen der Benediktiner im Erzstift Inthronisationsgelder zu erheben
  • dem Landtag zu präsidieren
  • den Scharfrichter des Erzbistums zu ernennen
  • Verträge des Erzbischofs zu besiegeln

So besiegelte Wilhelm von Wevelinghoven die Sühne zwischen Erzbischof Dietrich von Moers und Herzog Adolf von Jülich Berg sowie bald danach den Sühnevertrag mit der Stadt Neuss.

300 Jahre ist zu dieser Zeit im 15. Jahrhundert das Haus Wevelinghoven nach uns bekannten Dokumenten lokal, regional und auch überregional benannt und aktiv.

Die Hauptlinie endet nun, Wilhelm von Wevelinghoven und Ricarda haben keinen Sohn.

Aber die Töchter können, wenn auch nicht als Haupt der Familie, das Erbe der Eltern antreten und zum Beispiel in eine Ehe mitnehmen.

Die älteste Tochter Irmgard erbt Burg und Herrschaft Alfter und das damit verbundene Erbmarschallamt von Köln. Letzteres kann sie als Frau nach den Gesetzen der Zeit nicht wahrnehmen beziehungsweise ausüben.

Sie heiratet Johann VI von Reifferscheid Graf zu Salm. Ihm vererbt Wilhelm mit Urkunde datiert vom 30.03.1445 Alfter sowie das Marschallamt.

Die Deutsche Biographie bezeichnet Johann VI von Reifferscheid Graf zu Salm als Stammvater der Grafen, Altgrafen und Fürsten zu Salm-Reifferscheid-Krautheim und Dyck sowie Alfter und seit 1600 Bedbur und Hackenbroich.

Von der Stammmutter Irmgard von Wevelinghoven , Erbin von Alfter, ist dann in der Deutschen Biographie nicht mehr die Rede.

Der Besitz wird 1649 aufgeteilt, Erich Adolf -1619-1673 erhält die halbe Grafschaft Salm, die Herrschaften Reifferscheid, Bedbur und Alfter, Ernst Salentin erhält Dyck und Hackenbroich.

Das 18. Jahrhundert ist erreicht.

Das heutige Schloss errichtete 1721 Graf Wilhelm von Salm. Es war von 1930 bis 1961 Sitz der Familie von Fürst Franz Josef zu Salm-Reifferscheid-Krautheim und Dyck. Nach dessen Tod 1961 wurde der Familienwohnsitz nach Schloss Dyck verlegt.

Simeon Reichsgraf Wolff-Metternich zur Gracht, der Enkel von Fürst Franz Josef, ist heute der Eigentümer.

Text: Theo Hoer

 

Wie lernt man sich kennen?

Das Kennenlernen zukünftiger Eheleute dürfte im 15. Jahrhundert wohl kaum dem Zufall überlassen worden sein.

Das bedeutet nicht, dass Begegnungen – offiziell natürlich unter Aufsicht – vor dem Ja-Wort ausgeschlossen waren.

Die Herren von Alfter waren als Erbmarschall von Köln mit Sicherheit mehr oder weniger regelmäßig „bei Hofe“, sprich im Umfeld des Landesherren Erzbischof von Köln.

Davon können wir auch bei den Wevelinghovenern ausgehen, die bekanntlich in verschiedenen Rollen Beziehungen zum Erzbischof, zu seinem Umfeld, zum Domkapitel, zu wichtigen Klöstern hatten, auch verwandtschaftliche Beziehungen.

Ein ständiges oder zeitweiliges Wohn- und Repräsentationsquartier in der Nähe der Macht ist für die Familien des frühen rheinischen Adels denkbar, denkbar auch, dass man sich dort begegnete.

Denkbar, vielleicht wahrscheinlicher, dass dem Erzbischof oder seinen Mitarbeitern die familiäre Situation in Alfter bekannt war und man es nicht dem Zufall überlassen wollte und konnte, wer das Amt des Erbmarschalls von Köln erbt.

Die Wevelinghovener waren beim Erzbischof, vielleicht sogar bei ihm persönlich, gewiss aber bei seiner „Verwaltung“ bekannt.

Domherren, Klostergründer, Äbte und Äbtissinnen, Deutsch-Ordens Komthur der Niederlande, ein zu seiner Zeit bedeutsamer Bischof von Münster und später von Utrecht aus dem Haus Wevelinghoven waren nicht zu übersehen.

Besitz, Aufgaben, Ämter etc. ergeben bei Wilhelm II eine durchaus bemerkenswerte Liste.

Nicht unwahrscheinlich, dass in Bezug auf den zukünftigen Erbmarschall der Hof zumindest keinen Einspruch erhob, sich vielleicht sogar fördernd beteiligte.

Sicher kann man davon ausgehen, und im Original ist darauf Bezug genommen, dass Wilhelm sein Testament zugunsten seines Schwiegersohnes Johann VI von Reifferscheid, Graf zu Salm, vorher mit dem Erzbischof beziehungsweise seiner zuständigen Administration abgeklärt hat.

Das Ergebnis ist bekannt. Im roten Prunkmantel sieht man hoch zu Ross einen stolzen Reitersmann auf einem Gemälde, welches heute im Schloss Dyck zu sehen ist. „Erbmarschall von Köln“ steht drunter.

Allerdings nicht „geerbt von Wilhelm von Wevelinghoven“. Die Alfter Bürger beschäftigen sich mit der Geschichte ihrer Heimat, wie wir es im Verein Historisches Wevelinghoven auch tun, es gibt sogar ein „Haus der Alfterer Geschichte“.

Unter dem Titel „Macht und Pracht-Schloss Alfter und seine Herren“ begleitet eine lesenswerte Broschüre die 950-Jahr-Feier des Ortes Alfter 2017.

Wilhelm von Wevelinghoven mit seiner Frau Ricarda von Alfter und deren Tochter Irmgard von Wevelinghoven als Erbin von Alfter kommen auch drin vor.

 

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