31 Mai

Aachen war gut…

Aachen Suermondt

…das jedenfalls, kurz beschrieben, ist die einhellige Meinung der Reisegruppe des Vereins Historisches Wevelinghoven e.V. zu einem interessanten Besuch der Kaiserstadt und einer besonderen Ausstellung im Suermondt-Ludwig Museum am Freitag, den 25. Mai 2018.

Ein echtes Highlight ist die Führung durch das Haus sowie die Ausstellung durch Herrn Tilger. „Geben Sie mir noch fünf Minuten…“ fragt er mehrmals am Ende der 90-minütigen spannenden Reise mit Ihm durch die Welt des Sammlers Suermondt, die Kunstgeschichte und den Kunsthandel damals und auch heute. Die mehrmaligen fünf Minuten reichen natürlich nicht und wir hätten noch lange zuhören und staunen können.

Aachen Suermondt

Beruhigend ist, dass ein großer Teil der ausgestellten Werke dank der Stiftung Suermondt im Museum auf der Wilhelmstrasse ständig ausgestellt sind und ein späterer Besuch jederzeit zur Auffrischung des Gehörten und zur Erinnerung beitragen kann.

Wie schon mehrfach erprobt, macht Theo Hoer auf dem danach folgenden Bummel in die Stadt mehrmals Halt, vermittelt Eindrücke, berichtet zur Geschichte und hat die eine oder andere eher im Volksmund entstandene Deutung parat.

Aachen Suermondt

Straßenzüge, die man ansonsten zügig durcheilen würde, werden zur Geschichtsstunde, das Viertel „Henger Herjotts Fott“ und die dazugehörige Kreuzigungsgruppe im oberen Wirichsbongard erheitern und machen nachdenklich.

Ein Blick durch eine Toreinfahrt auf eine in dieser zentralen Stadtlage nicht erwartete Fassade, Elisengalerie und Elisenbrunnen verkürzen gefühlt den Weg zu einer verdienten und willkommenen Einkehr am fein gedeckten langen Tisch im Restaurant Elisenbrunnen.

Aachen Suermondt

Eine wenig Zeit bleibt sogar noch für eine Stippvisite zu Markt, Katschhof, Dom und Münsterplatz nach eigenem Belieben und zum Einkauf von Printen für Sonntag und leckerem Brot für den nächsten Morgen.

Aachen Suermondt

Ein Gruppenfoto zwischen Säule 4 und 5 in der Rotunde im schwefeligen Odeur der heißen Aachener Quellen muss abschließend natürlich auch sein. Wir werden Aachen im Auge behalten!

Theo Hoer Bm a. D.
1. Vorsitzender

 

01 Mai

Über die Fluren 2018 und Mitgliederversammlung

Historisches Wevelinghoven Sinsteden 2018

ÜBER DIE FLUREN 2018

Nach Plan verlaufen ist am Mittwoch, den 25. April 2018 die Führung im Kreislandwirtschaftsmuseum Sinsteden mit anschließender Jahreshauptversammlung sowie das Abschlußseminar Feldfrüchte.

Frau Dr. Kathrin Wappenschmidt nimmt uns im Landwirtschaftsmuseum mit auf eine Zeitreise durch die Landwirtschaft in unserer Heimat. Eher schlicht mutet zunächst der Präsentationsraum im ehemaligen Kessel-Hof an. Wenige Geräte dokumentieren exemplarisch das „Gestern“, umfangreiche aber auf das Bedeutsame gerichtete Texte und Bilder interpretieren den Wandel zum „Heute“ und motivieren, über das „Morgen“ nachzudenken.

Was auf den ersten Blick unspektakulär daherkommt, wird in der Führung duch die Museumsleiterin lebendig, ja richtig spannend und fordert zur Diskussion heraus. So gut wie unbekannt ist selbst uns „vom Lande“ die Tatsache, daß vor dem Einsatz der schweren Kaltblutpferde das Maultier dem Menschen unverzichtbare Hilfe bei schwerer Arbeit, Transport und Reise war.

Historisches Wevelinghoven Sinsteden 2018

Ein Blick in die Ausstellung zum „Archiv des Rheinischen Kaltblutpferdes“, 1997 dem Kulturzentrum Sinsteden von der Kreiszüchterzentrale übergeben, gibt Auskunft über Geschichte und Einsatzt der Arbeitstiere. Auskunft über die Bemühungen, ein „Pferd kaltblütigen Schlages mit starken Knochen zu züchten“ gibt auch das 1892 gegründete „Rheinische Pferdestammbuch“.

Kompliment und herzliches Dankeschön an Frau Dr. Wappenschmidt für die interessanten Informationen.

MITGLIEDERVERSAMMLUNG 2018

Wir bleiben im Museum und können hier die satzungsgemäß vorgesehenen Punkte der Mitgliederversammlung 2018 mit den Berichten zum Geschäftsjahr 2017 inclusive Kassenbereicht und zu den aktuellen sowie zukünftigen Planungen, der Mittelbereitstellung und der Programmvorschau 2019 abwickeln.

Kassiererin Magda Hoer und der gesamte Vorstand werden auf Vorschlag der Kassenprüfer Günter Piel und Dr. Helmut Hauser einstimmig entlastet. Geschäftsführer Armin Mohren teilt mit, daß wir mit Datum vom 25. Oktober 2017 vom Finanzamt Grevenbroich den Freistellungsbescheid zur Körperschafts- und Gewerbesteuer erhalten haben, der Verein ist damit weiterhin als gemeinnützig anerkannt.

Die Stadt Grevenbroich hat unseren Antrag auf Anbringung einer Hinweistafel „Markierung Motte im Zubend“ in Wevelinghoven an der Erftbrücke Klosterweg genehmigt. Die Beschäftigung mit „Burg Lievendahl/Schloß Wevelinghoven“ an der Erft im heutigen Stadtpark wird besprochen. Die Obere Mühle – “Kottmanns Mühle” – zu markieren ist ein weiteres Ziel, erste Gespräche mit Mitgliedern der Familie Kottmann haben stattgefunden.

Im Programm 2018 bietet der Verein Historisches Wevelinghoven am 25. Mai 2018 einen Besuch der Ausstellung “Gestatten Suermondt! Sammler, Kenner, Kunstmäzen” im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen mit anschließendem kleinen Kaiserstadtbummel an.

Am 25. August 2018 führt uns die traditionelle Excursion „Auf den Spuren…“ nach Alfter und zu einer Sonderführung nach Schloß Augustusburg bei Brühl.

Pünktlich um 18:00 kann Vorsitzender Theo Hoer die JHV schließen und nach Kultur, Geschichte und Vereinsangelegenheiten den letzten Tagesordnungspunkt aufrufen.

Historisches Wevelinghoven Sinsteden 2018

SEMINAR PRODUKTKUNDE MIT VERKOSTUNG

Im Cafe Stüffje empfangen uns Herr und Frau Zachäus zu köstlichen, knusprigen und wirklich frischen Reibekuchen. Toller Abschluß, wir fühlen uns wohl. Wiederholung, dann vielleicht mit Führung in den RÜCKRIEM-Hallen ist angedacht!

Theo Hoer Bm a. D.
1. Vorsitzender

Historisches Wevelinghoven Sinsteden 2018

Historisches Wevelinghoven Sinsteden 2018

26 Mrz

Gestatten, Suermondt! – Ausstellung in Aachen

Gestatten Suermondt

Gestatten, Suermondt!
Sammler, Kenner, Kunstmäzen

nennt das Suermondt-Ludwig Museum auf der Wilhelmstrasse in Aachen seine aktuelle Ausstellung.

Das Haus erinnert damit an seinen ersten Namenspatron Barthold Suermondt, erfolgreicher Unternehmer, Bankier, Kunstsammler und -eben- Mäzen. Der 1818 in Utrecht geborene Stifter vermachte 1882 über hundert wertvolle Gemälde aus seiner Privatsammlung der Stadt Aachen, nachdem 1874 ein Teil seiner Sammlung (Jan van Eyck, Jan Vermeer, Frans Hals, Hans Holbein, Peter Paul Rubens und Jan Steen) an die Berliner Gemäldegalerie verkauft worden war.

Anläßlich seines 200. Geburtstages sind 29 der in Berliner Besitz übergegangenen Gemälde und eine Auswahl der 177 Werke, die er der Stadt Aachen schenkte, zu sehen.

Der Historisches Wevelinghoven e.V. plant einen Besuch mit Führung
am FREITAG, den 25. Mai 2018:

Abfahrt 13:00 Uhr mit Bus ab Wevelinghoven Marktplatz
14:30 Uhr Führung
danach Aachenbummel vorbei “Henger Herjotts Futt”
18:30 Uhr zurück.

Der Beitrag von € 28,- pro Person deckt die Kosten für Fahrt, Eintritt und Führung. 

Da die Teilnehmerzahl auf 20 (zwanzig) begrenzt ist, bitten wir um Ihre verbindliche Anmeldung bis spätestens Samstag, 14. April 2018 unter 02181 74202 (Hoer), unser Kontaktformular oder direkt per Mail an info@historisches-wevelinghoven.de.

 

22 Dez

Weihnachtsgruss und Termine 2018

Liebe Mitglieder und Freunde unseres Vereins,

noch wenige Tage trennen uns vom Weihnachtsfest und dem Jahreswechsel. 2018 ist nah und deshalb hier zunächst Termine für unsere Traditionsveranstaltungen (Bitte ganz schnell im Kalender markieren!):

  • Mittwoch, 25. April 2018: Jahreshauptversammlung mit Kassen- und Geschäftsbericht, sowie Rahmenprogramm „Über die Fluren“.
  • Samstag, 25. August 2018: „Auf den Spuren“ Excursion mit historischem Hintergrund.

Tagesordnungen beziehungsweise Programme folgen zeitnah.

Das Jahr 2017: 

„Über die Fluren“

Gut besucht ist am 29. März die Führung durch das Römische Lager Neuss-Castrum Novaesium mit Heinz Birkenheuer an seiner Rekonstruktion der zweiten Steinbauphase des Lagers. Spannende Geschichte stieg aus den großartigen Modellen, Heinz Birkenheuer hätte noch viel mehr zu erzählen gehabt. Wir müssten noch mal hin.

„Auf den Spuren“

Führt uns am 7.Oktober nach Brauweiler, fast vor die Haustür. Führungen in Abtei, Kirche und Gedenkstätte sind die beeindruckenden Programmpunkte dieser Excursion.

„Gegen die Ehefrau Josef Balzer, Maria geb. Behrens, geb. am 13.11.1899 zu Wevelinghofen, und ihre Tochter Elli Balzer, geb. am 9.6.1924 zu Ehrenfeld, wird Schutzhaft und Einweisung in ein KL (Konzentrationslager) beantragt. . . .“

Dieser Vermerk vom 9. Februar 1945 in der Gedenkstätte schafft die Beziehung zum Motto „Auf den Spuren“, Studiendirektor a.D. Josef Wißkirchen nimmt uns mit in erschütternde Schicksale und in eine bedrückende Zeit in unserer Heimat.

Motte im Zubend in Wevelinghoven

Die Markierung der Motte ist in 2017 etwas ins Stocken geraten, nun kann es weitergehen.

Im Laufe der Planung entstand die Idee, die Hinweistafel auf der Brücke am Klosterweg anzubringen. Dazu war behördliche Genehmigung bei der Stadt einzuholen. Diese liegt nun vor.

Die Trägerkonstruktion ist fachmännisch hergestellt, Texte und Bilder sind geschrieben und ausgewählt, die Gestaltung ist in der Endfassung. Hilfreich war in dieser Sache das Zusammenwirken mit dem St. Martinus Stift/Augustinus-Kliniken, dem damaligen Geschäftsführer Herrn Thilo Spychalski sowie jetzt mit Herrn Theo Sandkaulen.

Markierung „Schloß Wevelinghoven“

Über ein Gemälde von „Schloß Wevelinghoven“ haben wir 2016 im Anschluss an unsere Excursion nach Hohenlimburg berichtet.

Kleiner Tip für die Zweifler: Festschrift der Evangelischen Kirchengemeinde Wevelinghoven von Prof. Heiland „…und so wohne ich elendig ohne Hülf und Beistand“: Seite 75 Schloß Lievendal (Lauendal) im 16. Jhdt.(1536). 

Wir haben an anderer Stelle schon Hinweise gefunden, müssen aber noch mehr über dieses „Schloß“ in Erfahrung bringen, wenn wir eine informative Markierung gestalten wollen. Vielleicht berechtigen unsere Erkenntnisse dann zu der Frage, ob der heute sogenannte Stadtpark möglicherweise auch Schloßpark genannt werden könnte.

Übrigens gibt es Vermutungen, hier wäre die Keimzelle der Siedlung „Wevelinghoven“. Eine Aufgabe für 2018 und wahrscheinlich folgende Jahre.

Zukunft des Vereins Historisches Wevelinghoven e.V.

Auf ein Denkmal aufmerksam zu machen und es vor dem völligen Untergang zu retten, das war 2005 die bei jungen Wevelinghovenern am Osterfeuer entstandene Idee, welche zur Gründung unseres Vereins führte.

Die Aufmerksamkeit in und um Wevelinghoven und in Stadt, Kreis und Bistum auf das Alte Pastorat zu lenken, ist dem Verein Historisches Wevelinghoven e.V. gelungen.

Im Zusammenhang mit der Entwicklung um St. Martinus und die Kruchen-Stiftung mit dem heutigen St. Martinus-Stift ist das Denkmal „Altes Pastorat“ für die Zukunft der Gemeinde vielleicht bedeutsamer als auf den ersten Blick erkennbar.

Mit jedem neuen Tag wächst die Menge an Vergangenheit, ob damit die Menge an Zukunft abnimmt, ist unbewiesen. Aus dem Erlebten leiten wir Erkenntnisse ab.

Erlebtes, wenn es Freude bereitet hat und eindrucksvoll war, kann als Ritual, so zum Beispiel als Brauchtum bewahrt werden.

Lebendig bleibt Erlebtes, wenn es Erinnerung prägt und zum Vergleich, zur Bewertung oder auch zu Begeisterung oder Ablehnung bewegt.

Beschäftigung mit Vergangenheit beziehungsweise Geschichte macht Sinn, wenn wir Antworten auf Fragen unserer Zukunft suchen.

Wir machen daher keinen Fehler, die Vergangenheit unseres Ortes zu erinnern und, wenn es Sinn macht, zu markieren.

Auf Erinnern-Markieren-Vernetzten begründen wir den Sinn unserer Aktivitäten und damit unseres Vereins. Vielleicht schauen wir uns alle mal um, ob im Familien- oder Freundeskreis noch Frauen oder Männer zum Mitmachen und damit zur Mitgliedschaft im Historischen Wevelinghoven e.V. bewegt werden können. Das wäre auch ein Ziel für 2018. Die Beitrittserklärung kann entweder als PDF runtergeladen oder schnell und einfach hier ausgefüllt werden.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2018 wünscht Ihnen gemeinsam mit

Nikolai Dohlen, Armin Mohren und Magda Hoer

Ihr Theo Hoer Bm a.D.
Vorsitzender

 

23 Okt

Auf den Spuren… 2017 nach Pulheim-Brauweiler

 

Exkursion am Samstag, den 7. Oktober 2017 zur
Abtei Brauweiler und zur „Gedenkstätte“

Zwanzig Meter über der Mittelterrasse in der Rheinischen Bucht grüßt der romanische Monumentalbau St. Nikolaus und St. Medardus in Brauweiler. Hofgut der Pfalzgrafen von Lothringen ist schon vor der Klostergründung dieser besondere Platz.

Vor 1000 Jahren begegnen wir hier Ezzo-Ehrenfried-, Pfalzgraf von Lothringen, seiner Gemahlin Mathilda, deren Kindern Richezza, später Königin von Polen und Hermann II, später Erzbischof von Köln und Kanzler des Kaisers sowie dem Reformabt Poppo von Stablo (Stavelot)-Malmedy und St. Maximin in Trier.

Am 7. Oktober 2017 kommt der Verein Historisches Wevelinghoven auf seiner Exkursion „Auf den Spuren…“ auch hierher. Eigentlich eine Halbtagesfahrt, verdichten sich die Führungen durch Abtei und Kirche sowie durch die Gedenkstätte letztlich zu einer Fülle von Eindrücken und Informationen, so dass die abschließende Einkehr auf dem Millianshof in Rheidt an der B 477 zu einer hochwillkommenen Verschnaufpause wird.

Zur Erinnerung hier noch einmal im Schnelldurchgang:

Pfalzgraf Ezzo bringt das Hofgut Brauweiler 991 bei der Hochzeit mit Mathilda, Tochter von Kaiser Otto II und der Byzantinerin Theophanu, seiner Frau als „Morgengabe“.

Zur Ausstattung eines fürstlichen Hauses gehört damals der Vollzug einer geistlichen Stiftung. Dem folgend gründet das Ehepaar 1024 die Abtei Brauweiler. Die Beteiligung des berühmten Reformabtes Poppo von Stablo-Malmedy sollte ein nach der von Cluny in Burgund ausgegangenen Klosterreform mustergültiges Klosterleben gewährleisten.

Allerdings darf man annehmen, dass die Wahl des Klosterstandortes wohl auch strategische Bedeutung als Abgrenzung zum Herrschaftsbereich der Erzbischöfe von Köln hatte. Zwar ist man mit diesen -siehe Hermann II- auch schon mal verwandt, aber der Erzbischof ist auch Landesherr in seinem Gebiet mit bekanntlich fortdauernden Expansionsgelüsten und somit muss der Pfalzgraf von Lothringen auch seine Rolle als Landesherr in Sichtweite von Köln in seine Entscheidungen einbringen.

Das, finde ich, illustriert folgende Geschichte ganz gut:

Königin Richezza kommt 1036 nach dem Tod ihres Gatten, des polnischen Königs Miezko II in ihre Heimat zurück. Sie gelobt nach dem Tod ihres Bruders, Herzog Otto von Schwaben, 1047 den Bau einer neuen und prächtigen Klosterkirche als Grabkirche für ihre Familie und für sich selbst. Dem Kloster überschreibt sie zur wirtschaftlichen Nutzung das Reichsgut Klotten an der Mosel.

Die Krypta, baugleich mit der von St. Maria im Kapitol in Köln, wird 1051 von Bischof Robert von Münster konsekriert, dieser tut dies in Vertretung von Richezzas Bruder Erzbischof Hermann II von Köln.

1061 konsekriert Erzbischof Anno II von Köln gemeinsam mit Bischof Egilbert von Minden offensichtlich Teile der Oberkirche im Beisein der Stifterin. Richezza stirbt 1063 in Saalfeld. Entgegen ihrem verbrieften Wunsch wird Richezza auf Geheiß Erzbischof Anno II nicht in Brauweiler sondern in seiner eigenen Stiftung St. Maria ad Gradus in Köln beigesetzt.

Die Einnahmen aus dem Reichsgut Klotten stehen nach Meinung des Erzbischofs somit nicht mehr Brauweiler sondern seiner Stiftung zu. Erst nach langjährigem Rechtsstreit kann Abt Wolfhelm das Moselgut Klotten zurückholen. Richezza ruht heute im Kölner Dom.

Fast 800 Jahre lang ist die Abtei Brauweiler ein bedeutsamer Ort geistigen Schaffens aber auch des Ordnens, Kultivierens und Bewirtschaftens eines ansehnlichen Gebietes sowie zeitweise umfangreichen Besitzes anderenorts.

Eine besondere Überraschung erleben wir im nördlichen Seitenschiff der ehemaligen Abteikirche St. Nikolaus. In einem vom Dansweiler Künstler Franz Pauli entworfenen Fenster mit der alttestamentarischen Geschichte von „Daniel in der Löwengrube“ trägt Daniel unverkennbar die Gesichtszüge von Konrad Adenauer und in dem Fensterbogen über ihm ist Adolf Hitler zu erkennen, an der Stelle, an der man gemäß Bibel den König Darius erwarten würde.

Zwei Monate lang – von September bis November 1944 – waren Kölns früherer Oberbürgermeister und seine Frau Auguste-Gussie-Adenauer in dem damaligen Gefängnis der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) inhaftiert.

Gemeinsam mit Jakob Dahmen, einem ehemaligen Wärter der Arbeitsanstalt Brauweiler, stiftete Adenauer diese Fenster nach dem Entwurf von Franz Pauli Anfang der sechziger Jahre. Ein letzter Eindruck von Abtei und Kirche in einem Kirchenfenster verbindet mit dem nun folgenden Besuch der

 

GEDENKSTÄTTE BRAUWEILER

Im Zuge der französischen Besetzung erfolgte 1802 mit der Säkularisierung die Aufhebung des Klosters Brauweiler. Die Abteikirche kann vor dem Abbruch gerettet werden und wird katholische Pfarrkirche. Die Abteigebäude werden nach einem napoleonischen Gesetz ab 1811 als „Bettlerdepot“ und ab 1815 durch die preußische Regierung als Arbeitsanstalt genutzt.

1920 werden „Bewahrungshaus“ und „Zellengebäude“ an die Kölner Justizverwaltung vermietet, 1933 dienen die Gebäude 12 Monate als Konzentrationslager, später als Gefängnis der Kölner Gestapo. Diese letztgenannte Zeit ist dokumentiert in der Gedenkstätte Brauweiler.

Hermann Daners und Josef Wißkirchen haben Dokumente dazu zusammengetragen und informieren neben schriftlichen Veröffentlichungen in einer 2008 eröffneten Dauerausstellung über Geschehnisse von 1933-1945. Der Ausstellungsort im Kellergeschoß des sogenannten „Frauenhauses“ der ehemaligen Arbeitsanstalt Brauweiler ist nun eine Gedenkstätte. Zwei Zellenräume sind weitgehend im Originalzustand erhalten und bilden heute den Kern der Ausstellung.

Wir erleben einen spannenden und bedrückenden Rückblick in die jüngere Geschichte unserer Heimat mit Josef Wißkirchen, einigen noch bekannt als Studiendirektor unseres Erasmus-Gymnasiums. Er geht auch auf das Schicksal der Familie Balzer aus Köln ein.

Eine Karteikarte von Balzer, Maria, geb Behrens, geb. 13.11.1899 in Wevelinghoven hatte übrigens auch dazu geführt, Brauweiler unter unserem bisherigen Excursionsmotto „Auf den Spuren…“ zu besuchen.

Maria Behrens war verheiratet mit dem angesehenen Lebensmittelhändler Hans Balzer aus Ehrenfeld. Deren Sohn Hans Josef Balzer, geb. 29.01.1928, war bereits als Jugendlicher straffällig geworden und wurde am 8.Oktober 1944 von der Gestapo auf der Flucht erschossen. Am selben Tag nahm die Gestapo die Eltern Josef und Maria Balzer und die zwanzigjährige Tochter in Haft, der vierjährige Sohn kam ins Köln-Sülzer Waisenhaus.

Josef Balzer starb nach dem 11. Dezember 1944 wegen einer unbehandelten Wundrose im Augusta-Hospital in Köln Sülz. Anfang Februar 1945 sollten Maria Balzer und ihre Tochter in ein Konzentrationslager eingewiesen werden. Dazu kam es nicht mehr, am 15. Februar 1945 verließ die Gestapo Brauweiler, so kamen Mutter und Tochter frei.

Auf der Webseite der Abtei Brauweiler gelangt man zu umfangreichen Informationen und zu einem von Daners und Wißkirchen erarbeiteten „Gedenkbuch“, in welchem auch den Einzelschicksalen nachgegangen wird.

1945-1949 befindet sich in der Abtei ein offenes Lager der britischen Armee, 1954 wird die Abtei im Landschaftsverband Rheinland (LVR) in die kommunale Verwaltung übernommen und zwischen 1954 und 1978 werden hier psychisch kranke, alkohol- und drogenabhängige Menschen behandelt.

Der Name der bekannten Abtei verliert sich durch die Folgenutzungen letztlich negativ besetzt fast im Irrealen. Willy Millowitschs Empfehlung „Ab nach Brauweiler“ sorgt im Lustspiel „Der Etappenhase“ beim Publikum der 60er Jahre noch für ausgelassenes Gelächter. Heute wird die Nutzung durch den Landschaftsverband Rheinland der historischen und aktuellen Bedeutung des Ortes gerecht.

Text: Theo Hoer